Hulik Viktor




1949 in Bratislava (SK) geboren, wo er lebt und arbeitet


Vertreten durch die Galerie La Ligne seit 2015


Auswahl von verfügbaren Werken




Né en 1949 à Bratislava (SK), vit et travaille en Slovaquie


Représenté par la Galerie La Ligne depuis 2015


Sélection d'oeuvres disponibles




Born 1946 in Bratislava (SK), lives and works in Slovakia


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Selection of available works

 

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Viktor Hulik stellt nicht das erste Mal in Oldenburg aus: Er war 1991 mit den "Trotzigen" - eine Auswahl von Bildhauern aus Bratislava - im Kunstverein und Landesmuseum.

Damals hatte das Werk von Viktor Hulik Liebhaber gefunden, die Arbeiten von ihm erworben haben. In den letzten Jahren bin ich mehrfach gefragt worden, was eigentlich Viktor Hulik macht. Diese Ausstellung ist gleichsam die Antwort.. 
Sie ist Teil eines Austauschprogramms - eine Oldenburgerin hat in Bratislava in der Galerie Z, die Viktor Hulik leitet, ausgestellt, dafür haben wir das neue grafische Werk von Viktor Hulik nach Oldenburg geholt.

Am Anfang war das Chaos - das behauptet jedenfalls, wer sich mit der Entstehung des Alls beschäftigt. Das Chaos als Mutter aller Ordnungsformen - in gewisser und natürlich reduzierter Weise taucht es immer wieder vor unseren Augen auf, wenn wir mit der Ordnung der Dinge nicht zurechtkommen. Die Wissenschaft hat in dieses ursprüngliche und in Teilen immer noch vorhandene Chaos Schneisen geschlagen und den Blick auf das Entstandene immer mehr verfeinert, so dass uns die Illusion gegeben wird, das Chaos durchschauen zu können. Vermutlich aber haben diese wissenschaftlichen Verfeinerungen nur dazu geführt, die Verästelungen des Chaos zu verfeinern und das Durchschauen in immer weitere Ferne zu rücken.
Viktor Hulik weist mit seinen beiden Begriffen im Titel dieser Ausstellung darauf hin: Clonen und Mutanten. Beide sind Ergebnisse wissenschaftlicher, mikrobiologischer und medizinischer Prozesse - der erste ist Forschungsgegenstand, der zweite eine unwillkommene Nebenerscheinung kerrnenergetischer Auswirkungen, mit der die Wissenschaft zunächst nichts anfangen konnte.

Viktor Hulik hat über Jahrzehnte hinweg systematisch auf diese Motive zugearbeitet. Dieser Prozeß muß kurz dargestellt werden.  Seine Arbeitsprozesse entwickeln sich vom Bekannten zum Unbekannten, vom Gesetzten zur Erfindung. Der Künstler hatte anfangs auf bewegliche Elemente, die wie ein Zollstock auseinandergefaltet werden können, Landschaftsposter geklebt, diese entsprechend den einzelnen Streben zerschnitten, so dass das Bild regelrecht entfaltet werden konnte.
Nehmen wir das Landschaftsmotiv als einen Ordnungsfaktor, so begann ein Prozess, der entgegen den Regeln nicht zu einer Ordnung führt, sondern zum Chaos, das freilich durch die einzelnen gleich großen Elemente rhythmisch gegliedert bleibt. Die aufgehobene Ordnung kann zudem, wenn alle Streben in ihre Ausgangsposition zurückgebracht werden, wiederhergestellt werden. Unübersehbar ist der spielerische Zug dieser Arbeiten, die natürlich in ihrer Veränderung den Einfällen, der Stimmung und der Kreativität ihrer Betrachter und Bearbeiter unterliegen.

Nach dem spielerischen Umgang mit den auf der Collage-Technik beruhenden Landschaftsformen hat der Künstler konsequent den Weg zu abstrakten Kompositionen fortgeführt. Da unterhalb jener Streben, die mit dem Landschaftsmotiv besetzt sind, andere liegen, die nur Farbträger sind, verwandelt sich das bekannte und angenehm zu sehende Landschaftsbild immer mehr in ein stark farbiges abstraktes Objekt und das Rechteck in eine sich auflösende bizarre, fast stachelige Form. Die Konfrontation zwischen Reproduktion und collagierten Elementen hat neue Motive, neue Eindrücke, vor allem aber neue Räume und neue Zusammenhänge bewirkt. Viktor Hulik hat Methoden gefunden, die mikro- und makrokosmischen Prozessen entsprechende Bildfolgen liefern.

Dieses veränderte Bild, in dem die landschaftlichen Züge völlig verschwunden sind, könnte als Ausgangspunkt für die hier ausgestellte Grafik gesehen werden. In seinen Computer-Grafiken verzichtet Viktor Hulik auf eine erkennbare Beziehung zur Landschaft und konzentriert sich auf Strukturelemente wie Linien und Gefüge, die als Bauteile der Komposition dienen. Schritt für Schritt, Arbeitsgang für Arbeitsgang entwickelt der Künstler aus jedem einzelnen Motiv neue Kompositionen durch Variation, Wiederholung, Reduktion bis zur Komprimierung einzelner Formen zu Flächen.. Mit Hilfe der Computer-Technik werden Kompositionen geschaffen, die neben ruhigen Phasen auch Zonen mit dichten, scheinbar chaotisch verqueren Farbstreifen und -Linien enthalten.

Diese Grafiken verdienen es, ein wenig genauer betrachtet zu werden. Ich habe Viktor Hulik natürlich gefragt, wo der Unterschied zwischen Klonen und Mutanten zu sehen ist - beide Begriffe haben nun unmittelbar mit den Naturwissenschaften nichts mehr zu tun: Klonen - das ist das erste Blatt im Jahr. Es wird aus vorhergegangenen Arbeiten abgeleitet. Alle anderen Blätter, die von der neuen Vorlage bestimmt werden, sind Mutanten. Erst im nächsten neuen Jahr wird wieder ein Klon geschaffen.

Wenn der Betrachter sich ein wenig auf einzelne Elelemente und ihre Gruppen in den Blättern einläßt und wenn er sich zum Vergleichen bereit findet, dann stellt er fest, dass das entstandene Chaos-Motiv zahlreiche Züge hat, die in anderen Arbeiten wieder anzutreffen sind: Das kann sich auf einzelne Linienformen beziehen, das kann aber auch auf großflächigere Blatt-Bereiche bezogen werden. Dieses vergleichende Sehen, das hinein in das Chaos führt und dieses durchdringt, ohne es zu beseitigen, macht einen großen Reiz dieser Arbeiten aus. Selbstverständlich ist es dabei auch möglich, gleiche und ähnliche, identische und mutierte Formen in anderen Bildpositionen und unterschiedlichen Drehungen aufzufinden.
Zuweilen scheint es, als könnte man auch auf anderen Wegen zu dieser Häufung von farbigen Linien kommen - vielleicht hat Viktor Hulik auch darauf angespielt - dann - wenn viele statistische Kurven übereinander projeziert werden. Das ist nicht stringent zu analysieren, es wird lediglich der Eindruck vermittelt. Aber  nicht nur formal, auch inhaltlich ist die Summe von Statistiken auf einer Fläche zugleich ein Chaos.

Jedenfalls entstehen Kompositionen mit markanten Besonderheiten:  Viele haben zwei Bereiche besonders verdichteter Linienführungen, daneben Bereiche, in denen nur eine einzelne Linie auf einem farbigen Grund agiert, bedeutungsvoll, wie es scheint, und doch ohne Worte. Ein mit der Maus gezogener abstrakter Schriftzug, eine technisierte Kalligraphie.

Viktor Hulik geht vorsichtig mit Farben um, die nun allein den Ausdruck der einzelnen Arbeit tragen:  Der Grund wird oft zweifarbig vor Weiß gesetzt, wobei auch eine Zone mit beiden ineinander integrierten Farben anzutreffen ist. Diese Farben strukturieren durch Linien und Raster den Bild- Grund. Die Annäherung an Millimeterpapier ist dabei ein Zug zur Ordnung, in die das Auge die gesamte Komposition zurückführen möchte, die sich aber nur als etwas Vergangenes einstellt.
Huliks sicheres Farbgefühl stimmt das scheinbar wirre Liniengefüge über Raster und Grundfarbe auf den Grund ab - nirgends tritt eine schreiende, zerstörerische Farbe heraus, selbst das Rot wird in einer abgemessenen Quantität verarbeitet, dass zwar das Signalhafte zu sehen, der Schrei des Rot aber nicht zu hören ist.

Damit kommen wir noch zu einer anderen Interpretationsform - diese Blätter könnten Partituren sein; man könnte sich vorstellen, dass jede Linie von einem Instrument gespielt wird. Ich meine die Tätigkeit, nicht den Klang; den kann ich mir nur sehr schwer vorstellen.

Das grafische Oeuvre von Viktor Hulik läßt sich trotz der angeblichen Gleichheit im Chaos in mehrere Gruppen gliedern, wie wir durch die Hängung anzudeuten bemüht waren. Eine andere als die bisher beschriebenen Kompositionsweisen arbeitet mit größeren Farbflächen. Sie übernehmen zwar die Farben der einstigen Streben, aber bilden nun dichte, ineinander greifende zackenreiche Formen, von denen wir nicht wissen, ob sie einander überlagern oder nebeneinander liegen. Vereinzelte Linien tauchen auf diesen Flächen auf, doch sonst sind sie klar und frei von allen störenden Elementen. Die meisten dieser Flächen sind vertikal ausgedehnt, einige nehmen wie bestimmte Akzente nur eine Position im oberen oder unteren Bereich ein.
Huliks Arbeitsweise ähnelt der eines Ingenieurs am Computer, der etwas entwirft, ohne die Verbindung zur Realität und zur Natur aufzugeben. Nicht Utopien, sondern Strukturen und ihre Varianten sind das Forschungsfeld dieses Künstlers, der, indem er das Gegensätzliche von Ordnung und Chaos, von Stillstand und Bewegung sichtbar zu machen als vordringliche Absicht auffaßt, zu den fundamentalen Konditionen des Lebens vorstößt und diese in bildhafte Sprache umzusetzen sucht. "Klonen" und "Mutieren" verweisen auf duplizierte Identitäten und scheinbar unkontrollierte Veränderungen.

Viktor Hulik will, um zum Schluß zu kommen, die Titel- Begriffe nicht aufklären, jedenfalls nicht mit Worten, sondern er verwendet sie als Bezeichnungen für Verfahren, um auf diese Weise Beziehungen und vielleicht sogar Abhängigkeiten zwischen einzelnen Blättern anzudeuten. In gewisser Weise ist er dabei weitergekommen als die öffentliche Meinung, die das Klonen bekanntlich als schlichte Duplizierung einer Form, eines Lebewesens ansieht. Auf Werbeplakaten sehen wir beispielsweise Reihen von identischen Menschen, die Vervielfältigung einer einzelnen Form als das Ergebnis von Klonen. Viktor Hulik hingegen weist schon bei der ersten neuen Form, die aus der alten herausgearbeitet worden ist, nach, dass es keine Identitäten gibt, sondern stets Varianten.

Die Kunst Viktor Huliks führt zu einer alle divergierenden Kräfte zusammenschließenden Einheit. Seine Kompositionen haben trotz ihres abstrakten Charakters viel mit der Natur zu tun, die stets das Vorbild bleibt,  das Widerstreitende in sich zu einen. Aber das Bemühen um Einheit ist vergeblich, denn alle Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch ins Chaos.

Text by Jürgen Weichardt

Öffentliche Sammlungen (Auswahl)

- Slovak National Gallery, Bratislava
- Municipal Gallery, Bratislava
- Regional Gallery of Považie, Žilina
- Turiec Gallery, Martin
- State Gallery, Banská Bystrica
- Gallery of Fine Arts, Prešov
- FMK Gallery, Budapest, Hungary
- Museum of Contemporary Graphic Art, Fredrikstad, Norway
- Graphic Workshop of City Pécs, Pécs, Hungary
- Jánus Panonius Museum, Pécs, Hungary
- Kassák Museum, Budapest, Hungary
- National Gallery, Prague, Czech republic
- East Slovakian Gallery, Košice
- Gallery of Fine Art, Nové Zámky
- Museum of Modern Art of the Family Warhol, Medzilaborce
- Balneological Museum, Piešťany
- Hatton Gallery, Newcastle upon Tyne, Great Britain
- Regional Museum, Topolčany
- Ján Koniarek Gallery, Trnava
- M.A.Bazovský Gallery, Trenčín
- P.M.Bohúň Gallery, Liptovský Mikuláš
- HypoVereinsbank, Munich, Germany
- Slovak Savings Bank, Bratislava
- Helmut Servas Collection, Rodalben, Germany
- Savings Bank Schwäbisch Hall, Munich, Germany
- Hotel Tatra, Bratislava
- Allianz, Bratislava
- West Georgia University, Carrollton, USA
- Sunderland University, Sunderland, Great Britain
- Mobil MADI Museum, Budapest, Hungary
- Municipal Museum of Art, Gyor, Hungary
- Museu MADI, Sobral, Brazil
- Museum of Geometric and MADI Art, Dallas, USA
- Collection Art Concret, Maubeuge, France
- Széchenyi István University, Györ, Hungary
- Museum of Geometric and MADI Art, Dallas, USA
- Museo Magi ´900, Pieve di Cento – Bologna, Italy
- Cyprian Majernik Gallery, Bratislava
- Gallery Závodný, Mikulov, Czech republic
- Gallery Goller, Selb, Germany
- Szépművészeti Múzeum, Budapest, Hungary
- Peter C.Ruppert Collection, Museum im Kulturspeicher, Würzburg, Germany
- Orava Gallery, Dolný Kubín
- Peter Conzatti Collection, Germany
- Grauwinkel Collection, Germany